Gemeinwohl-Ökonomie – wir haben unsere Bilanz

21.Juli 2021. Der Moment ist gekommen. Ich halte unsere Gemeinwohlökonomie-Bilanz in Händen, stolz und erfreut. Ein hartes Stück Arbeit liegt damit hinter uns. Und viel Commitment vor uns.

Seit es die Idee der Techgenossen als nachhaltige IT-Genossenschaft gibt - irgendein Biergartenabend 2015 -, gibt es auch den Wunsch eine GWÖ-Bilanz zu erstellen. Denn wir wollten und wollen es ja besser machen.

Ihr lasst euch bilanzieren?

Ja, im ersten Moment klingt Bilanz nicht nur pupstrocken, sondern auch sehr wenig techgenossig. Kosten zu den Soll-Ausgaben und Einnahmen auf der Habenseite, BIP lässt grüßen.

Tatsächlich heißt Bilanz aber nur “Waage” und meint eine Gegenüberstellung von Kategorien, auf dass diese sich die Waage halten mögen.

Die Gemeinwohl-Matrix

Die GWÖ-Bilanz indes ist eine Matrix. Es gibt vier Werte: Menschenwürde, Solidarität & Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz & Mitentscheidung. Und es gibt fünf Berührungspunkte: Lieferanten, Eigentümer & Finanzpartner, Mitarbeiter, Kunden & Mitunternehmen und das gesellschaftliche Umfeld.

Hier kannst du die Matrix ansehen.

Wir bewerten also beim Erstellen der Gemeinwohlökonomie-Bilanz unseren unternehmerischen Beitrag zum Gemeinwohl. Damit positionieren wir uns als Befürworter eines zukunftsgerechten Wirtschaftssystems: Geld und Wachstum sind kein Selbstzweck. Sie sind ausschließlich ein Mittel für das gute Leben für alle.

Ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft

Ja, ganz genau. Wir Techgenossen wollen das gute Leben für alle. Und wir lassen uns nicht einreden, dass das aus irgendwelchen ökonomischen Zwängen nicht ginge. Im Gegenteil empfinden wir Zwang zu handeln. Denn wie Heini Staudinger bei unserer Zertifikatsübergabe sagte:

Und: Keiner von uns ist außen vor. Eine ehrliche Bilanz unseres Wirkens muss systemisch bedingt tiefrote Zahlen schreiben.

Anstand vor Wohlstand

Kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken oder das Selbstausbeutungsmantra inklusive schlechtem Gewissen rauszuholen. Die Nachhaltigkeits- und auch die Gemeinwohlökonomie sind keine Opfer und auch keine Besserwisser-Narrative.

Es geht schlicht darum das eigene und unternehmerische Handeln gemeinwohlorientiert zu reflektieren und wo möglich anzupassen. That´s it. Manchmal ist das sehr leicht: Einfach den Stromanbieter wechseln, open source verwenden oder für Projekte arbeiten, die transformativen Impact haben, wie der Klimawahlcheck.

Manchmal ist es schwer: Lieferanten wie Hetzner fragen, ob sie die Lieferketten ihrer Hardware nachvollziehen? Auftraggeber davon begeistern ressourcenschonend und CO2-arm Software zu entwickeln. Öffentlichen Ausschreibungen abzusagen, weil sie nicht agil sind.

New Work und Freelancer sind schwierig abzubilden

Die GWÖ-Matrix erhebt den Anspruch für alle Organisationsformen und Körperschaften anwendbar zu sein. Für klassische Genossenschaften passt die Struktur über Lieferanten, Mitarbeitende und Eigentümer hervorragend.

Für uns war sie eine Herausforderung. Denn wir sind alles auf einmal, als Genossen sind wir Eigentümer, als Einzelunternehmer sind wir Lieferanten und als Mitarbeitende sitzen wir ständig zwischen den Stühlen. Wir haben es selbst so gewählt und sind glücklich damit.

Für die Bewertungen in der GWÖ-Matrix in der Peergroup mussten wir es aber immer wieder darlegen. Wenn wir also einen Wunsch an die GWÖ haben, dann in den zukünftigen Matrix-Versionen neuere Eigentums- und New-Work-Konstellationen besser abbildbar zu machen.

Vielen Dank!

Wir bedanken uns bei unseren Peers: Braun Steinmetz GmbH & Co. KG, HNO-Facharzt-Praxis Dr. Charalampakis, Voit-Lipowsky Coaching/Training/Supervision, Regionalkollektiv eG, Rosy Green Wool GbR und bei unserem GWÖ-Berater Matthias Rausch. Übrigens war das die erste komplett virtuell agierende Peergroup in Bayern und wir sind stolz, dass unser open source-Videotool Bigbluebutton das ermöglicht hat.

Hier ist unser GWÖ-Bericht zum Download (als PDF).